Fokus Eritrea – Alltag unter Alleinherrschaft

Fortsetzung der Länderreihe

Anfang April fuhr Team AfriQA durch Dresden, bevor es zu seinem Ziel in Berlin gelangte. Die Rennradsportler aus der ehemaligen italienischen Kolonie Eritrea brachen in Frankfurt a.M. zu ihrer Tour auf, um Danke zu sagen und ins Gespräch zu kommen. Sie sind Flüchtlinge. Initiator Zerai Abraham möchte mit diesen und anderen Projekten seinen Landsleuten eine Perspektive geben.

In Dresden warb Zerai um Solidarität über die Nationen hinaus.  Afrika-Kenner Pavel Nováček und Philipp Hedemann gaben zuvor Einblicke in das kleine Land am Horn von Afrika, dessen Geschichte (in Verstrickung mit dem Kalten Krieg) und seine Bewohner bzw. in Flüchtlingslager im angrenzenden Äthiopien. Auch eritreische Gäste kamen zu Wort, erzählten, warum sie flohen und was sie bewegt und dass sie wie alle Menschen Freiheiten und Frieden brauchen.

 

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Zerai Abraham macht Mut, Katherina Grzesik leitet das EDIC Dresden, koordinierte hier die Zusammenarbeit

 

„Fokus Eritrea“ – dritter Abend des Veranstaltungszyklus „Länderreihe“ zu Herkunftsländern von Flüchtlingen

Die dritte Veranstaltung zur „Länderreihe“ im Deutschen Hygiene-Museum Dresden (DHMD) befasst sich mit einem der am meisten gebeutelten Länder (Ost-)Afrikas, aus dem Menschen zu uns fliehen. Die Kooperationspartner DHMD und EDIC (Europe Direct Informationszentrum) Dresden laden dazu ein, sich dem Land Eritrea und seinen (ehemaligen) Bewohnern im – und mit Verständnis anzunähern.

 

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Fotos aus Eritrea von Pavel Nováček und aus einem Flüchtlingscamp von Philipp Hedemann

 

In Reiseberichten wird Eritrea nicht selten als das „Nordkorea Afrikas“ bezeichnet und wartet mit einigen Superlativen auf: Als ehemalige Kolonie Italiens ist es erst seit 1993 unabhängig und damit einer der jüngsten Staaten des Kontinents. 30 Jahre dauerte der Guerillakrieg mit Äthiopien, der das Land in bittere Armut gedrängt hat. Die anhaltende Feindschaft mit dem Nachbarland zwingt Tausende junge Männer in den Militärdienst, der unter Umständen ein Leben lang andauern kann. Man spricht über Eritrea mittlerweile von einem der repressivsten Regime der Welt. Ist da noch Platz für kulturelles Leben? Und wie sieht das Alltagsleben der Menschen in Eritrea aus, wenn jeder junge Mann von zuhause oder sogar direkt nach der Abiturfeier mit Bussen abgeholt und zum Militärdienst gezwungen werden kann? Trotz Friedens im Land, bedeutender Bodenschätze und atemberaubender Naturschauplätze, die Tourismusmagnete sein könnten, treiben Angst und Armut monatlich fast 2000 Eritreer_innen aus ihrer Heimat. Ihr großer Traum heißt Frieden und Freiheit. – Werden sie ihn in Europa verwirklichen können?

 

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Flüchtlingslager mit tausenden Eritreern im angrenzenden "Feindesland" Äthiopien

 

Es referieren:

Dr. Pavel Nováček, bereiste Eritrea und schrieb seine Diplomarbeit über das Horn von Afrika, profunder Kenner der Beziehungen zwischen den afrikanischen Staaten.

Zerai Kiros Abraham, selbst 1990 aus Eritrea geflohen, engagiert sich heute als Projektinitiator in der Flüchtlingsarbeit. Sein „Team AfriQa“ ist eine Mannschaft ehemaliger eritreischer Radsportprofis, die ihre Heimat verlassen mussten und hier in Deutschland wieder die Möglichkeit haben, Radrennen zu fahren.

Philipp Hedemann, widmet sich als Weltreporter insbesondere Afrika und Themen der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit, ist seit 2013 freier Journalist und lebte zuvor dreieinhalb Jahre in Äthiopien, wobei er viele eritreische Flüchtlinge kennen lernte.

 

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in friedliches Spiel vertieft

 

Voraussichtlicher Programmablauf

  1. Kurze Lesung Hedemanns aus seinem Buch über eine junge Eritreerin, die alleine dem unbefristeten Militärdienst entfloh.
  2. Kurzer Vortrag Nováčeks mit Bildern zur Situation im Land.
  3. Bericht/Gespräch auf dem Podium über das Team AfriQa, Hidden Cash und das Haus Ubuntu durch Abraham sowie Hedemann.
  4. Von Philipp Hedemann moderierte Diskussion mit dem Publikum.

Zum Ausklang runden die Möglichkeit der Veranstaltungsteilnehmer miteinander ins Gespräch zu kommen und kulinarische Spezialitäten des SPIKE Dresden Altstrehlen 1 e. V., der u.a. Eritreern eine Willkommenskultur bietet, den Abend ab.

 

In Kooperation mit der Stiftung Deutsches Hygiene-Museum Dresden und dem Umweltzentrum Dresden e. V.

 

7. März, Montag, 19 Uhr

Es wird eine Übersetzung der Vorträge auf Tingrinisch angeboten.

EINTRITT FREI

 

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Augen auf! Die Veranstaltung findet NICHT im Umweltzentrum, sondern im Deutschen Hygiene-Museum Dresden am Lingnerplatz 1 statt.

 

 

Veranstaltungsfakten

„Fokus Eritrea – Alltag unter Alleinherrschaft“

7. März 2016, Montag, 19 Uhr

Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Lingnerplatz 1
01069 Dresden
Kontakt

Europe Direct Informationszentrum  (EDIC) Dresden
Schützengasse 16 – 18
01067 Dresden

Katharina Grzesik

Tel.: 0351/4 94 33 66
Fax: 0351/4 94 34 00
E-Mail: europe_direct(at)uzdresden.de