Bedrohte Arten in der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge

Populationsstützung für gefährdete Offenlandarten

Ziel aller unserer Vorhaben im botanischer Artenschutz ist es, vom Aussterben bedrohte Arten durch Erhöhung der Pflanzenbestände zu unterstützen. Das wiederum soll zu einer langfristigen Stabilisierung am natürlichen Standort führen.

Seit 2013 werden im Rahmen der Richtlinie Natürliches Erbe (NE) Projekte realisiert. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge waren das „Bestandsstützenden Maßnahmen für den Erhalt von 19 Zielarten wechselfeuchter und trockenwarmer Standorte“ (2013 bis 2015) sowie das Folgeprojekt „Bestandstützende Maßnahmen für vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten im Rahmen der  Förderrichtlinie NE/2014" von 2016 bis 2018.

Entnehmen - Vermehren - Ausbringen: ein Jahre andauernder Prozess

Für Populationsstützungen werden am Naturstandort Samen entnommen, Jungpflanzen angezogen und am Herkunftsstandort oder auf geeigneter Fläche im selben Verbreitungsgebiet wieder ausgebracht. Die Arten- und Standortauswahl erfolgt dabei in enger Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden. Von einigen Arten wie dem Gelben Bergveilchen oder dem Gottes-Gnadenkraut sind nur noch so wenige Pflanzen vorhanden, dass dieses Prozedere mehrere aufeinanderfolgende Jahre ausgeführt werden sollte, um eine ausreichend große Anzahl an Jungpflanzen ausbringen zu können.

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Ausbringung des Gelben Bergveilchens im Kirnitzschtal

In dem seit November 2018  abgeschlossenen Projekt wurden für 11 Arten bestandsstützende Maßnahmen vorgesehen: Fluss-Greiskraut, Gottesgnadenkraut und Wiener Blaustern, die als Stromtalarten ihr Verbreitungsgebiet entlang der Elbe haben, sind auf geeigneten Standorten im Elbtal ausgebracht worden.Die auf trockenen Wiesen und Halbtrockenrasen heimischen Arnika, Bartgras und Berg-Klee erhielten eine Bestandstützung auf Ihren Vorkommensflächen.Färberscharte und Trollblume sind vom Aussterben bedrohte Arten der feuchten Wiesen und Bergwiesen und wurden ebenso in ihrem Bestand aufgestockt. Das Gelbe Bergveilchen ist eher bekannt aus den Alpen und als Eiszeitrelikt in den kühlen Tälern der Sächsischen Schweiz immer seltener zu finden. Als einzige einjährige Art im Projekt erhielt das Schlangenäuglein (oder Scharfkraut) Unterstützung durch Ausbringung von Saatgut. Dieses wurde ebenfalls in der Projektgärtnerei vermehrt. Das Schlangenäuglein war früher ein charakteristischer Siedlungsbegleiter. Durch seinen hohen Nährstoffbedarf und Gebundenheit an offenen Bodenstellen war es häufig in den „Dreckecken“ von Burgen und Dörfern zu finden.

Von den genannten Arten wurden im Projektzeitraum 2016 bis 2018 insgesamt etwa 3400 Pflanzen ind der Projektgärtnereides Umweltzentrums Dresden e. V. angezogen und ausgebracht.

Eine Art, der Ysopblättrige Weiderich, konnte während des Projektzeitraumes an seinem Standort nicht nachgewiesen werden. Das Verhalten, ungünstigen Standortbedingungen im Ruhezustand zu überdauern, ist typisch für Vertreter der Schlammflora.

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Bergklee - die Vermehrung der bedrohten Arten des Projekts erfolgt in der Projektgärtnerei des Umweltzentrums Dresden auf einem stillgelegten Friedhofsgelände

Ergebnisse = Erfolge?

Mit Überlebensraten zwischen 9% und 97% fallen die Zählungen nach dem ersten bzw- zweiten Jahr nach den Ausbringungen sehr unterschiedlich aus. Das Etablieren einer Art hängt von vielen Faktoren ab, hauptsächlich aber von den passenden Standortbedingen, den Witterungsverhältnissen des Jahres und nicht zuletzt dem Vorhandensein von Fressfeinden: Schnecken, Mäuse, Wildschweine. Eine besondere Herausforderung im Jahr 2018 war die extreme Trockenheit.

Eine erste positive Bilanz lässt sich in diesem Jahr für die Arnika ziehen, die auf allen drei Ausbringungsflächen Fuß fasste, im Frühsommer blühte und zum Herbst Tochterrosetten gebildet hat. Ebenso positiv sieht es für das Fluss-Greiskraut, den Wiener Blaustern oder auch das Schlangenäuglein aus.

Erfolgreich verlaufen ist eine Bestandsstützung jedoch erst, wenn sich die ausgebrachten Pflanzen langfristig etablieren, die Population stabil und eine Naturverjüngung (Jungpflanzen aus generativer Fortpflanzeung) nachweisbar ist. Ob und in welchem Umfang die Bestandsstützungen sich etablieren, kann erst das Monitoring der folgenden Jahre belegen.

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Bergklee aus "ex situ"-Bestand oder: Jungpflanzen nach ihrer Ausbringung am ursprünglichen Fundort der "Elternpflanzen". Mit Besuch!

Ehemalige Friedhofsgärtnerei als Saatgutbank

In der Außenstelle Friedrichstadt des Umweltzentrum Dresden, in der ehemaligen Friedhofsgärtnerei des stillgelegten Äußeren Matthäus-Friedhofs werden  die Jungpflanzen für die Naturschutzprojekte angezogen.Parallel dazu sind seit 2014 Erhaltungskulturen der gefährdeten Arten angelegt worden. Mit einer Größe zwischen 180 und 230 Exemplaren je Art entsprechen die Kulturen den Anforderungen genetischer Vielfalt einer Ex-situ- Kultur. Diese dienen nun als Saatgutquelle für unsre Projekte und/oder werden anderen Naturschutzprojekten zur Verfügung gestellt.

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Kontrolle und Entfernung von Unkraut in Beständen der Arnika (Arnica montana L.)

 

 

 

Ansprechpartnerin

Silvana Eger

Telefon: 0351/4 94 35 00
Email: silvana.eger(at)uzdresden.de

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Die Ziele nachhaltiger Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) sind politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen (UN). Sie dienen der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene und gelten seit dem 1. Januar 2016 mit einer Laufzeit von 15 Jahren (bis 2030) für alle Staaten der Welt.

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