Unsere Beiträge zum Artenerhalt

Populationsstützung für bedrohte Arten in der Sächsischen Schweiz, im Osterzgebirge und im Landkreis Meißen

„Weiterführung der Bestand stützenden Maßnahmen für vom Aussterben bedrohter Pflanzen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (SOE)“. Schon der Projekttitel legt nahe, dass es sich bei diesem neuen Vorhaben um die Weiterführung des 2013 bis Juni 2015 durchgeführten "19-Arten-Projektes" im Landkreis SOE handelt. Neue Projektlaufzeit ist Juni 2016 bis September 2018 im Rahmen der Förderrichtlinie „Natürliches Erbe“ (NE/2014).  

Gleich ein komplett neues Projektgebiet erschließen wir uns mit dem zweiten Vorhaben im Bereich Offenlandarten, das unter dem Titel „Bestandsstützende Maßnahmen für die Schwarze Wiesen-Küchenschelle, Aufrechte Waldrebe und Graue Kratzdistel im Landkreis Meißen“ seit Juni 2015 und für weitere 28 Monate in Abstimmung mit der Unteren Nachturschutzbehörde (UNB) Meißen läuft und drei vom Aussterben bedrohten Arten (Rote Liste 1) helfen soll:

  1. Vermehrung und Anzucht von Jungpflanzen der Schwarzen Wiesen-Küchenschelle
  2. Sammlung, Vermehrung und Ausbringung der Aufrechten Waldrebe
  3. Anzucht von Jungpflanzen sowie Ausbringung von Jungpflanzen und Saatgut zur Bestandstützung der Grauen Kratzdistel
  4. Anwuchspflege und Kontrolle der  ausgebrachten Arten  2) und 3)
  5. Dokumentation

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Auspflanzung von Jungpflanzen der Grauen Kratzdistel (Cirsium canum) im Mai 2016

Entnehmen - Vermehren - Ausbringen

Man kann sich im ersten Fall fragen, warum ein altes Projekt weitergeführt werden muss. Dafür gibt es einige gute Gründe: Zum Beispiel waren von einigen Arten im Naturraum nur noch sehr wenige Exemplare vorhanden und demzufolge die entnehmbare  Menge des Ausgangsmaterials sehr gering. Die Ausbringung von angezogenen Jungpflanzen führt zudem nur über die in mehreren Jahren ausgebrachten Pflanzen zur gewünschten Mindestanzahl von Individuen, ab der eine natürliche Reproduktion erfolgversprechend sein kann. Bei anderen Arten variiert die natürliche Keimfähigkeit der Samen von Jahr zu Jahr, unter ungünstigen Bedingungen sind diese dann sehr gering bis gar nicht keimfähig. Wiederum andere Arten benötigen zum Keimen lange Zeiträume.

Für die 11 Arten Gottes-Gnadenkraut, Fluss-Greiskraut, Wiener Blaustern, Ysopblättriger Weiderich, Trollblume, Färberscharte, Arnika, Bartgras, Berg-Klee, Schlangenäuglein (oder Scharfkraut)  und Gelbes Bergveilchen werden am Naturstandort Diasporen entnommen, in der Projektgärtnerei des Umweltzentrums vermehrt und zur Bestandstützung auf der Spenderfläche wieder ausgebracht. Für Fluss-Greiskraut, Gottesgnadenkraut und Wiener Blaustern, die als Stromtalarten ihr Verbreitungsgebiet entlang der Elbe haben, sind Wiederansiedlungen auf erloschenen Standorten oder Neuansiedlungen auf geeigneten Flächen im Elbtal vorgesehen. Die Arten- und Standortauswahl erfolgte in enger Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden. Bestandteil unserer Arbeit sind natürlich auch hier Pflege, Monitoring und Dokumentation.

Das Schlangenäuglein in der „Dreckecke“

Die für das Projekt „Weiterführung der Bestand stützenden Maßnahmen für vom Aussterben bedrohter Pflanzen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (SOE)“ ausgewählten Arten sind in verschiedenen Lebensräumen des Landkreises heimisch. So sind Gottes-Gnadenkraut, Fluss-Greiskraut, Wiener Blaustern, Ysopblättriger Weiderich typische Stromtalpflanzen, die durch Flussausbau und Nutzungsveränderungen der Wiesen im Elbtal nur noch selten zu sehen sind. Weitere vom Aussterben bedrohte Arten der feuchten Wiesen und Bergwiesen sind Färberscharte und Trollblume.

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Projektleiterin Silvana Eger bei der Kontrolle der ausgebrachten Berg-Klee-Pflanzen im Folgejahr

Auf trockenen Wiesen und Halbtrockenrasen heimisch sind hingegen Arnika, Bartgras und Bergklee. Das Schlangenäuglein (oder Scharfkraut) war früher ein charakteristischer Siedlungsbegleiter. Durch seinen hohen Bedarf an stickstoffhaltigen Böden und sein geringes Durchsetzungsvermögen gegenüber anderen Pflanzenarten war es häufig in den „Dreckecken“ von Burgen und Dörfern zu finden. Das Gelbe Bergveilchen ist eher bekannt aus den Alpen und in den kühlen Tälern der Sächsischen Schweiz immer seltener zu finden.

Ehemalige Friedhofsgärtnerei als Saatgutbank

Ziel aller unserer Vorhaben im botanischer Naturschutz ist es, die geschwächten Populationen durch Erhöhung der Pflanzenbestände zu unterstützen. Das wiederum soll zu einer langfristigen Stabilisierung am natürlichen Standort führen. Zur Realisierung der Vorhaben im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind seit 2013 auf geeigneten Spenderflächen je nach Größe des Pflanzenbestandes der jeweiligen Art zunächst anteilig Samen entnommen worden. Die Aussaat und Anzucht der Jungpflanzen erfolgt für diese Naturräume bereits seit Sommer 2013 (im Rahmen der „Bestandsstützenden Maßnahmen für den Erhalt von 19 Zielarten wechselfeuchter und trockenwarmer Standorte im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge“) in der Außenstelle des Umweltzentrums in der Dresdner Friedrichstadt. Dort wird nun in der ehemaligen Friedhofsgärtnerei des stillgelegten Äußeren Matthäusfriedhofs auch Schwarzer Wiesen-Küchenschelle, Aufrechter Waldrebe und Grauer Kratzdistel geholfen werden.

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Kontrolle und Entfernung von Unkraut in Beständen der Arnika (Arnica montana L.)

Schon 2014 wurde ein Teil der gezogenen Pflanzen zur Bestandsstützung wieder auf den jeweiligen Spenderflächen angesiedelt. Der andere Teil wurde zur weiteren Saatgutgewinnung in der Projektgärtnerei gepflanzt. Diese Erhaltungsbestände konnten teilweise schon beerntet und die Samen auf ausgewählte Flächen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ausgebracht werden beziehungsweise dienen nun als Saatgutbank für weitere regionale Naturschutzprojekte des Landkreises. Ähnliches ist nun für die bedrohten Arten im Landkreis Meißen vorgesehen.

Ansprechpartnerin

Silvana Eger

Telefon: 0351/4 94 35 00
Email: silvana.eger(at)uzdresden.de

Gefördert durch
Sustainable Development Goals
Nr. 15 Schutz der Landökosysteme

Ziele nachhaltiger Entwicklung

Die Ziele nachhaltiger Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) sind politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen (UN). Sie dienen der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene und gelten seit dem 1. Januar 2016 mit einer Laufzeit von 15 Jahren (bis 2030) für alle Staaten der Welt.

Nr. 15 Schutz der Landökosysteme - Life on land

Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen